Zwischen Handwerk, Material und Ausdruck.
Wenn aus Fäden mehr als ein Gewebe entsteht.
Handweberei ist ein jahrtausendealtes Handwerk. Sie folgt Techniken, Bindungen und Regeln und lässt gleichzeitig unglaublich viel Raum für eigene Ideen.
Mich fasziniert genau dieser Zwischenraum. Was passiert, wenn vertraute Materialien auf Ungewöhnliches treffen? Wenn Natur zum Ausgangspunkt wird? Wenn ein Gewebe nicht nur funktionieren, sondern etwas erzählen darf?
Für mich beginnt dort die künstlerische Seite des Webens.


Material darf man nicht nur sehen. Man muss es fühlen.
Wissen, Technik & Gestaltung
Freiheit entsteht dort, wo man das Handwerk versteht.
Beim Weben ist nichts zufällig. Die Wahl des Garns, seine Stärke und Beschaffenheit, die Bindung, die Abstände der Fäden, Farben und Materialien beeinflussen das fertige Gewebe. Dieses handwerkliche Wissen bildet für mich die Grundlage.
Und gleichzeitig eröffnet es Möglichkeiten: Regeln können weitergedacht, Materialien neu kombiniert und Strukturen bewusst verändert werden. So wird aus einer traditionellen Technik Raum für Gestaltung und eine eigene Handschrift.
Weberei als Ausdrucksform
Jeder Faden verändert das Ganze.
Mich interessieren nicht nur perfekte Oberflächen. Gerade kleine Unregelmäßigkeiten, Unterschiede im Material und Strukturen, die nicht vollständig kontrollierbar sind, machen ein Gewebe für mich lebendig.
Ein Naturmaterial verhält sich anders als Garn. Ein Grashalm lässt sich nicht einfach in eine textile Norm pressen. Er bringt seine eigene Form, Oberfläche und Geschichte mit. Genau darin liegt für mich der Reiz: Materialien nicht nur zu benutzen, sondern ihnen Raum zu geben und zu beobachten, was im Zusammenspiel entsteht.





Abschlussprojekt Gestalterin im Handwerk: „Gewebe trifft Gras“
Wenn Natur Teil des Gewebes wird.
Für meine Abschlussarbeit zur Gestalterin im Handwerk wollte ich zwei Dinge miteinander verbinden, die mich seit vielen Jahren begleiten: die Handweberei und meine enge Beziehung zur Natur.
Viele Ideen entstehen auf meinen Spaziergängen mit meiner Hündin Fayola. Gräser, Pflanzen, Strukturen, Farben und kleine Dinge am Wegesrand werden dabei zu Inspiration. Für mein Abschlussprojekt wollte ich diese Naturmaterialien nicht nur abbilden oder interpretieren, sondern ganz unmittelbar in das Gewebe integrieren.
So entstand „Gewebe trifft Gras“.
Experimentieren gehört dazu
Was passiert, wenn das Material eigene Regeln mitbringt?
Bevor ein Gewebe am Webstuhl entsteht, beginnt die Arbeit lange vorher.
Ich entwickelte Muster, plante Bindungen, zeichnete auf Patronenpapier und experimentierte mit unterschiedlichen Kombinationen aus Garn und Pflanzenmaterialien.
Dabei kamen unter anderem Gräser, Schilf und Brennnessel zum Einsatz.
Wie lässt sich ein starrer Grashalm einweben? Welche Struktur entsteht auf Vorder- und Rückseite? Wie verändert sich das Muster, wenn textile und natürliche Materialien aufeinandertreffen?
Nicht jeder Versuch funktioniert, aber genau darin liegt für mich ein wichtiger Teil des gestalterischen Prozesses: ausprobieren, beobachten, verändern und weiterdenken.




Vom Entwurf zur Umsetzung
Nicht nur das Ergebnis zählt.
Die Arbeit am Webstuhl braucht Zeit. Faden für Faden wächst die Fläche. Naturmaterialien müssen ausgewählt, vorbereitet und an der richtigen Stelle in das Gewebe eingebracht werden.
Während des Projekts entstanden unterschiedliche Mustergewebe, Materialstudien und Dokumentationen, in denen ich untersucht habe, wie sich Pflanzenmaterialien mit klassischen Webstrukturen verbinden lassen.
Aus diesen Versuchen entwickelte sich Schritt für Schritt eine eigene Formensprache. Und gleichzeitig wurde mir noch einmal bewusst, wie sehr mich genau dieser Prozess am Weben fasziniert: Man kann planen, rechnen und vorbereiten und trotzdem bleibt Raum für Überraschungen.
Jeder Faden erzählt eine Geschichte
Auch das Kleine und Unscheinbare hat seinen Platz.
Jeder Faden, so fein und zart er auch sein mag, ist von Bedeutung und verändert das Gewebe. Für mich gilt das genauso für Materialien, die wir im Alltag vielleicht übersehen.
Ein Grashalm. Eine getrocknete Pflanze. Eine Struktur am Wegesrand. Mit meiner Arbeit möchte ich den Blick auf solche Details lenken und zeigen, wie viel Schönheit, Vielfalt und Ausdruck in ihnen stecken kann. Weben entschleunigt meinen Blick und lässt mich genauer hinsehen.
Vielleicht ist genau das für mich eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Handwerk und Kunst.




Austausch & neue Perspektiven
Handweberei endet nicht an der eigenen Werkstatttür.
Der Austausch mit anderen Weberinnen, Textilschaffenden und Künstlerinnen ist für meine Arbeit eine wichtige Inspirationsquelle.
Textile Reisen, Arbeitsaufenthalte im Ausland und meine Mitgliedschaften in verschiedenen textilen Netzwerken ermöglichen mir immer wieder neue Einblicke in Materialien, Techniken und unterschiedliche Traditionen des Webens.
So verschieden die Herangehensweisen sein können, verbindet uns etwas miteinander: die Arbeit mit Fäden, Materialien und dem Webstuhl.
Als Künstlerin bin ich außerdem Teil der GEDOK München, einem interdisziplinären Künstlerinnen-Netzwerk. Diese Begegnungen und Perspektiven fließen immer wieder in meine eigene gestalterische Arbeit ein und lassen neue Ideen entstehen.
Du interessierst dich für meine Arbeiten, eine Ausstellung oder möchtest dich zu einem individuellen Projekt mit mir austauschen?
Dann freue ich mich, von dir zu hören.